Vulkan Kawah Ijen – The blue fires
– Blaue Flammen oder blaues Wunder? –
Seit Jahren hatte ich diesen verrückten Plan im Kopf: Den Vulkan Kawah Ijen auf Java besteigen und die mysteriösen „Blue Fires“ sehen. Diese blauen Flammen entstehen, wenn brennender Schwefel mit extrem hohen Temperaturen abbrennt und dabei ein faszinierendes Schauspiel bietet. Ein Naturphänomen, das man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt. Dieses Jahr war es endlich soweit – dachten wir zumindest … 😉
Der Trip beginnt: Von Bali zum Vulkan Kawah Ijen
Der Wecker klingelte unbarmherzig um 7 Uhr morgens auf Bali – für mich eindeutig zu früh für Abenteuer. Aber was tut man nicht alles für einen spektakulären Vulkan? Die Tour begann mit einer fünfstündigen Autofahrt bis zur Fähre. Dann eine Stunde Überfahrt nach Java, die allerdings nur 20 Minuten gedauert hätte, wäre der Kurs eine direkte Linie gewesen. Stattdessen navigierte das Boot in einem kuriosen Zickzack-Muster durch die Meerenge – wie ich später erfuhr, wegen zahlreicher Untiefen und Korallenriffe in diesem Gewässer. Was auf den ersten Blick nach einem orientierungslosen Kapitän aussah, war in Wirklichkeit präzise Seemannskunst. 🛥️
Nur mit Attest auf den Vulkan
Ein Detail, das nicht in meinem Reiseführer stand: Bevor du auf diesen Vulkan darfst, brauchst du ein ärztliches Attest! Also ging’s erstmal 20 Minuten ins örtliche Krankenhaus. Dort checkten Ärzte unsere Lungenkapazität und fragten nach Vorerkrankungen. Ich hatte kurz Angst, dass mein letzter Restaurantbesuch mit extra-scharfem Nasi Goreng als Risikofaktor gewertet werden könnte, aber wir wurden alle für tauglich befunden.
Nach der medizinischen Freigabe fuhren wir zu unserer Unterkunft „MI CASA“ – ein echtes kleines Juwel mitten im Regenwald. Der perfekte Ort, um sich ein paar Tage zu entspannen … oder besser gesagt: der perfekte Ort, um sich für ganze drei Stunden hinzulegen, bevor der Wecker erneut klingelte.

Der Aufbruch zum Gipfel
Um 1 Uhr nachts wurden wir geweckt. Verschlafen torkelten wir zum Jeep, der uns in 50 Minuten zum Basislager brachte. Dort erhielten wir unsere „Kriegsausrüstung“: Mütze, Handschuhe, Schal und – besonders wichtig – eine Gasmaske. Nicht gerade mein bevorzugtes Fashion-Statement, aber bei schwefelhaltigem Vulkandampf durchaus sinnvoll.
„Wir ziehen nicht in den Krieg“, scherzte ich noch, während ich die Gasmaske anlegte, „aber wir sehen definitiv so aus.“ Nur die Waffe fehlte zum kompletten Outfit.
Der grausame Aufstieg: Sauerstoff wird überbewertet
Und dann begann er – der Aufstieg, der uns allen die Grenzen unserer Fitness schmerzhaft vor Augen führte. Der Weg war dunkel, steil und schien endlos. Besonders unsere Raucher-Fraktion kämpfte mit jedem Höhenmeter. Von hinten hörte ich zwischen keuchendem Atmen: „Scheiße, das Nikotin wirkt hier ja viel stärker als unten!“ Gefolgt von einem Geräusch, das verdächtig nach dem letzten Röcheln eines erstickenden Rochens klang.
Unser Guide erklärte, dass es sieben Stationen bis zum Gipfel gibt. Bei Station Nummer fünf wurde das Gemurmel über einen möglichen Abbruch der Tour immer lauter. Ich versuchte, die Stimmung mit einem Witz aufzulockern: „Wir laufen alle weiter, kommen halbtot oben an, und dann heißt es: ‚Sorry, heute keine blauen Feuer!‘“ Ein Scherz, der sich später als geradezu prophetisch herausstellen sollte.
Vorsichtshalber fragte ich den Guide direkt, ob wir die Blue Fires definitiv sehen würden. Seine Antwort war alles andere als beruhigend: „Manchmal sind keine da, aber vielleicht haben wir Glück.“
Am Gipfel die große Enttäuschung
Nach 3,5 Stunden Aufstieg in vollkommener Dunkelheit erreichten wir endlich den Kraterrand. Unsere Waden brannten, unsere Lungen flehten um Gnade, aber das Adrenalin pumpte – gleich würden wir das spektakuläre Naturschauspiel der blauen Flammen sehen!
Unser Guide drehte sich zu uns um und sagte mit stoischer Ruhe: „Sorry, nach dem Vulkanausbruch im Juli/August 2024 sind alle Blue Fires erloschen. Wir können aber einen schönen Sonnenaufgang sehen.“
WAT? Ich war mir sicher, mich verhört zu haben. Keine blauen Flammen? Der ganze Aufstieg umsonst? War das ein schlechter Scherz? Aber der Guide blieb ernst. Es gab wirklich keine Blue Fires mehr, und der Abstieg in die Schwefelmine war aktuell untersagt. Eine kleine Trostvermutung hatte er noch zu bieten: „Da es dort raucht, muss da auch noch Feuer sein – irgendwann kommen sie vielleicht zurück.“ Super!
Alle sechs Teilnehmer standen nun völlig frustriert auf dem Gipfel. Die Enttäuschung war fast greifbar. Aber gut, wenn schon keine blauen Flammen, dann wenigstens ein spektakulärer Sonnenaufgang, oder?
Etwa zwei Stunden verbrachten wir auf dem Gipfel, machten Fotos vom beeindruckenden türkisfarbenen Kratersee und versuchten, unsere Enttäuschung zu verarbeiten. Der See ist tatsächlich atemberaubend – ein giftiger Cocktail aus Schwefelsäure und anderen Chemikalien, der in der Morgensonne intensiv türkis leuchtete. Unfassbar schön, aber auch tödlich: Mit einem pH-Wert von fast 0 würde ein Bad darin deinen letzten Urlaubstag bedeuten.
Der Abstieg: Rutschpartie mit Überraschungen
Der Abstieg war zwar nicht so anstrengend für den Kreislauf wie der Aufstieg, dafür aber eine ständige Gefahr für die Knöchel. Der Boden war extrem rutschig, und ich bin mir sicher, dass ich während der zwei Stunden bergab mindestens sieben neue Tanzschritte erfunden habe, von denen keiner jemals in einer Disco getanzt werden sollte.
Wer einen solchen Ausflug plant, sollte unbedingt Schuhe mit starkem Profil verwenden – dein Knöchel wird es dir danken! Und halte dich fern vom Kraterrand! Unser Guide erzählte, dass allein in diesem Jahr zwei Touristen für das perfekte Social-Media-Foto gestorben sind. Kein Instagram-Like ist es wert, in einen Säuresee zu fallen.
Was bleibt von der Blue-Fire-Tour ohne Blue Fires?
Obwohl wir die berühmten blauen Flammen nicht gesehen haben, war die Tour eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Der Kawah Ijen bleibt ein beeindruckender Vulkan mit seiner unwirklichen Landschaft und dem türkisblauen Kratersee. Die Schwefelträger, die täglich unter schwersten Bedingungen in den Krater steigen, konnten wir zwar nicht bei der Arbeit sehen, aber ihre leeren Körbe am Wegesrand erzählten ihre eigene Geschichte.
Für alle, die jetzt enttäuscht sind: Ich habe ein Bild von dem eingefügt, was man normalerweise dort sehen sollte – die mystischen blauen Flammen, die in der Dunkelheit tanzen. Die Realität ist natürlich noch viel beeindruckender und größer.
Wir hoffen für künftige Touristen, dass die Blue Fires bald wieder in alter Größe und Pracht sichtbar sein werden. Bis dahin bleibt mein Tipp: Informiere dich unbedingt vorher, ob das Phänomen aktuell zu sehen ist – erspart dir eine schweißtreibende Überraschung auf 2.800 Metern Höhe!
Und wer weiß, vielleicht plane ich in ein paar Jahren einen zweiten Versuch. Denn manchmal ist es ja gerade das nicht Erreichte, was uns zurückkommen lässt. Oder ich buche einfach eine Strandhütte auf Bali und schaue mir YouTube-Videos von den Blue Fires an. Hat auch was … 🌋 😄